Kunststoffe - ihre Verwendung, ihre Eigenschaften

Obwohl Kunststoff – im Vergleich zu Ziegel oder Beton – ein relativ neuartiger Werkstoff ist, hat er den Baubereich schon gewaltig aufgemischt. Er wird für Terrassenabdeckungen, Abdichtungen oder als Zusatz in Lacken, Beton oder Klebstoffen verwendet. Viele Dämmstoffe bestehen komplett aus Kunststoff, und Elektroleitungen sind ohne eine Kunststoffummantelung kaum denkbar.

colourbox.de

Kunststoff ist nicht gleich "Plastik"

Umgangssprachlich werden Kunststoffe häufig als „Plastik“ bezeichnet. Technisch betrachtet, gibt es neben den Plastomeren aber auch noch die Elastomere und Duroplasten. Duroplasten sind harte, nicht verformbare Kunststoffe. Kunststoffe wie Phenolharz, Melamin oder Polyester erweichen selbst bei Wärmeeinwirkung nicht.

Anders sieht es bei den Thermoplasten aus, die bei Hitze schmelzen. Zu Vertretern der Thermoplaste zählen Polystyrol, Polyethylen, Acrylglas oder PVC. Die dritte Gruppe bilden die Elastomere, zu denen zum Beispiel Silikonkautschuk, Polyurethan oder Buthyl-Kautschuk zählen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Kunststoffen sind also groß.

Die verschiedenen Kunststoffarten

Einige der für den Baubereich wichtigsten Kunststoffe möchten wir im Folgenden vorstellen.

Plastisch-elastische Kunststoffe

Wenn es an das Abdichten geht, kommen bevorzugt Kunststoffe mit plastisch-elastischem Verhalten zum Einsatz - wie z. B. Kautschuk und Weich-PVC.

Buthyl-Kautschuk

Aus diesem Material werden Fugendichtungsmassen und Fugendichtungsbänder hergestellt. Der Kunststoff lässt sich spachteln, spritzen oder schäumen.

Polysulfid-Kautschuk

Gespachtelt oder gespritzt wird auch Polysulfid-Kautschuk. Der gummi-elastisch bis plastisch-elastische Kunststoff wird für die Abdichtung von Bewegungsfugen und Versiegelungen verwendet.

Silikonkautschuk

In die Gruppe der plastisch-elastischen Kunststoffe gehört auch Silikonkautschuk. Einsatzgebiete dieses Kunststoffes sind Abdichtungen, Versiegelungen und Anschlussfugen.

Weich-PVC

Weich und gummielastisch ist auch Weich-PVC, das mit der Zeit jedoch spröde wird. Fugenbänder, Klebebänder, Bodenbeläge oder Dichtungsbahnen werden zum Beispiel aus Weich-PVC gefertigt.

Polyisobutylen

Dichtungsbahnen und Dachbahnen werden auch aus Polyisobutylen hergestellt. Man nimmt diesen Kunststoff auch zum Kleben und Dichten von Blechen, Kupfer, Aluminium oder Folien auf Beton und Mauerwerk.

Feste Kunststoffe

Polyethylen (PE)

Ein bis 115 Grad Celsius fester Kunststoff ist Polyethylen (PE). Aus ihm werden zum Beispiel Verpackungen oder Bautenschutzfolien hergestellt. Auch Behälter, Rohre, Schläuche oder Leitungsummantelungen werden aus PE gefertigt. Der Kunststoff weist eine gute Beständigkeit gegen Säuren, Laugen und Salze auf, Lösemittel können ihn jedoch angreifen.

Polyurethan (PUR)

Polyurethan (PUR) ist eigentlich ein hartes und zähes Material. Zu einem Dämmstoff aufgeschäumt, sieht es nicht mehr ganz so aus, obwohl er weiterhin relativ druckfest ist. PUR wird auch für Mauerinjektionen oder Beschichtungs- und Dichtungsmassen verwendet - und natürlich für Ortschaum zum Ausfüllen von Fugen auf der Baustelle.

Polystyro = Styropor

Als Styropor bekannt, hat Polystyrol als Dämmstoff ebenfalls Eingang in viele Stuben gehalten. Im nicht aufgeschäumten Zustand ist Polystyrol glasklar, hart und spröde. Außer für Dämmstoff findet der Kunststoff noch für Verpackungen oder als Zusatzmittel bei Leichtbeton Verwendung.

Polyvinylacetat (PVAC)

Ebenfalls ein Zusatzmittel für Beton, Putz oder Estrich ist Polyvinylacetat (PVAC). Der Kunststoff ist auch im Weißleim enthalten und findet sich häufig auf der Rückseite von Teppichen.

Thermoplasten

Thermoplasten sind ebenfalls feste Kunststoffe, nur dass diese sich bei bestimmten Temperaturen verformen lassen.

Polymetyhlacrylat (PMMA) = Acrylglas

Um einen glasklaren, harten Kunststoff handelt es sich bei Polymetyhlacrylat (PMMA), das auch besser als Acrylglas bekannt ist. Da es schwer zerbrechlich ist, wird es zum Beispiel gerne für Lichtkuppeln oder Abdeckungen verwendet. Auch Türverglasungen oder Duschwannen werden aus Acrylglas gefertigt, das allerdings staub- und kratzempfindlich ist.

Hart-PVC

Wie Acrylglas zählt Hart-PVC zu den Thermoplasten. Es ist bis 80 Grad Celcius hart und bis 165 Grad Celcius plastisch weich, es lässt sich schweißen, biegen, bohren und kleben. Verwendung findet Hart-PVC für Rohre, Fenster- und Türrahmen, Bedachungen, Rollläden, Dachrinnen oder Profile für Fassaden oder Wintergärten.

Duroplasten

Zur Gruppe der Duroplasten zählen Phenolharz, Melaminharz und Epoxidharz, es handelt sich dabei also um harte und spröde Kunststoffe. Sie sind hart und glasartig und lassen sich nach ihrer Aushärtung nicht mehr verformt.

Epoxidharz

Von honiggelber Farbe ist Epoxidharz, wobei man sich von der Farbe nicht täuschen lassen sollte, da der Kunststoff im flüssigen Zustand giftig ist. Da Epoxidharz bevorzugt in Farben oder Klebern verwendet wird, ist bei der Verarbeitung daher Vorsicht angesagt. Die Harze finden auch als Zusatzstoffe in Beton oder Mörtel Verwendung.

Melaminharze

Weniger gefährlich sind die Melaminharze, die bei der Herstellung von Schichtpressstoffplatten Verwendung finden.

Phenolharze

In Holzleimen, Hartschaumplatten oder Kunstharzbeton können zum Beispiel Phenolharze enthalten sein. Auch in Ortschaum kann dieser Kunststoff enthalten sein.