Chemischer Holzschutz für den Außenbereich

Der chemische Holzschutz gliedert sich in bekämpfenden und vorbeugenden Holzschutz. Bei vorbeugenden Maßnahmen geht es darum, Schäden am Holz erst gar nicht entstehen zu lassen. Wie Holz vor dem Befall von holzschädigenden Organismen geschützt werden muss, schreibt unter anderem die DIN 68 800, Teil 3 vor. Verwendet werden chemische Wirkstoffe, je nach Verteilung werden verschiedene Schutzarten abgegrenzt.

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Schutzarten

Man unterscheidet drei verschiedene Schutzarten, die aufgrund der verschiedenen Eindringtiefen klassifiziert werden:

  • Den Oberflächenschutz, der im Streich- oder Spritzverfahren aufgebracht wird. Er dringt weniger als 1mm in das Holz.
  • Der Randschutz dringt wenige Millimeter ins Holz und wird durch Trogtränk- oder Sprühtunnelverfahren sowie das Fluten aufgebracht.
  • Der Tiefenschutz dringt je nach Holzbeschaffenheit sogar einige Zentimeter ins Holz ein und wird dazu per Kesseldruckverfahren oder das Heiß-Kalt-Einstellverfahren eingebracht.

Angewandte Verfahren im Überblick

Die Lebensdauer der Holzprodukte wird durch die Stärke des Schutzmantels bestimmt. Deshalb erzielt der Tiefenschutz die beste, der Oberflächenschutz die geringste Wirkung. Die angewandten Verfahren zum chemischen Holzschutz lassen sich in zwei große Gruppen einteilen, nämlich in technische Verfahren wie die Kesseldruckimprägnierung und in „Heimwerkerverfahren“ wie Anstriche.

Industrielle Verfahren zur Holzimprägnierung

Der Begriff Kesseldruckimprägnierung ist im Rahmen groß angelegter Holzschutzmaßnahmen gängig, die Verfahren variieren je nach Imprägnierwerk.

Für die Imprägnierung für Holz im Außenbereich werden vorwiegend zwei Imprägniermethoden eingesetzt:

  • Die Volltränkung, auch als Vakuum-Druckverfahren bezeichnet, ist für trockene und halbtrockene Hölzer geeignet, bei denen die Holzfeuchte unterhalb des Fasersättigungspunktes von 30% liegt. Bei diesem Verfahren wird in den Zellen ein Vakuum erzeugt, das anschließend mit Schutzflüssigkeit gefüllt wird. 
  • Saftfrische Hölzer werden mit der Wechseldrucktränkung behandelt. Der in den Zellen enthaltene Baumsaft wird mit Schutzflüssigkeit angereichert. Dieses Verfahren ermöglicht eine besonders gründliche Tränkung des anfälligen Splintholzes.

Holzbauteile, die per Kesseldruckverfahren imprägniert sind, brauchen keine weitere Nachbehandlung. Eine Ausnahme bilden hier Bohrlöcher oder andere Bearbeitungsstellen und obenliegende Trockenrisse, die nach dem Einbau entstanden sind.

Heimwerkerverfahren

Im Heimwerkerbereich kann chemischer Holzschutz maximal als Oberflächenschutz fungieren. Möglich sind Anstriche mit Lacken und Lasuren, zum Teil werden auch Spritzverfahren angewandt. Während die Wirksamkeit ohnehin begrenzt ist, ergeben sich durch diese Verfahren zusätzlich verschiedene mögliche Probleme für die Gesundheit und die Umwelt. Maximalen Schutz in diesem Bereich bieten lediglich hochwertige Mittel, die am Gütezeichen der RAL-Gütegemeinschaft Holzschutzmittel e.V. (RAL-GZ 830) zu erkennen sind. Der Holzschutz durch Anstriche muss in regelmäßigen Abständen erneuert werden.

Hinsichtlich der Konformität mit den gültigen Normen ist zu beachten, dass die DIN 68 800-3 für Hölzer der Gebrauchsklasse 4 (Holz in dauerndem Erdkontakt oder ständig stark befeuchtet) eine Kesseldruckimprägnierung zwingend vorschreibt.

Vorsicht bei Holzschutzmitteln!

Auf dem Markt sind zahlreiche Mittel erhältlich, die jedoch längst nicht alle als chemische Holzschutzmittel funktionieren und zugelassen sind. Dies gilt insbesondere im Heimwerkersegment. Nicht immer ist auch Holzschutzmittel drin, wenn Holzschutzmittel drauf steht.

Arten von Anstrichmitteln

Bei den Anstrichmitteln für Hölzer im Außenbereich können drei Klassen unterschieden werden:

  • Lacke und Farben dienen vorwiegend als Dekor und Verschönerung. Durch die geschlossene Oberfläche schützen sie das Holz bedingt vor eindringendem Wasser.
  • Holzveredelungsmittel wie Öle und Wachse schützen die Holzoberfläche vor Schmutz und Flecken und machen es unempfindlicher gegen Staub und Kratzer.
  • Holzschutzmittel enthalten Präparate, die vor Insekten- und Pilzbefall sowie Witterungseinflüssen schützen. Sie werden z.B. als Holzschutzlasur oder Holzschutzsalze deklariert.

Rechtliche Vorschriften

Holzschutzmittel, die für die Behandlung von tragenden Konstruktion oder Aussteifungen eingesetzt werden, müssen eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung besitzen. Diese erteilt das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt). Für die Zulassung muss der Hersteller verschiedene Dokumentationen und Nachweise vorlegen, auch eine eventuell giftige Wirkung auf den Menschen oder die Umwelt werden geprüft. Amtliche Materialprüfanstalten prüfen die biologische Wirksamkeit. Die Bewertung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit übernimmt das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV); für die Umweltverträglichkeit ist das Umweltbundesamt zuständig (UBA).

Im Bereich der industriellen Verfahren wie der Kesseldruckimprägnierung verwenden die Betriebe, die im Deutschen Holzschutzverband für großtechnische Imprägnierung e.V. und in der Gütegemeinschaft Imprägnierte Holzbauelemente e.V. organisiert sind, ausschließlich zugelassene Schutzflüssigkeiten.

Bekämpfender Holzschutz nach DIN 68 800-4

Werden tragende oder aussteifende Bauteile aus Holz von holzzerstörenden Pilzen oder Insekten befallen, ist nach DIN ein bekämpfender Holzschutz erforderlich. Den Bekämpfungsmaßnahmen vorangestellt sind die eindeutige Identifikation des Schädlings und das Ausmaß des Befalls. Fachingenieure und Holzsachverständige weisen hier die nötige Kompetenz auf, der Statiker prüft die Auswirkungen des Befalls auf die Tragfähigkeit der Konstruktion.

Bevor eine Bekämpfung angeordnet wird, sind verschiedene Aspekte gründlich zu prüfen:

  • Was kann dem Bauherrn zugemutet werden? Möglich ist ein kompletter Austausch der Konstruktionshölzer, der Einsatz chemischer Mittel, das Heißluftverfahren oder in eingeschränktem Maße auch Begasungen.
  • Wie hoch ist die Wirkungsgeschwindigkeit des Mittels? Häufig dauert es mehrere Jahre, bis ein Schädlingsbefall zum Stillstand kommt.
  • Werden Umweltaspekte wie Fledermausschutz oder andere Artenschutzverordnungen berührt?

Die Bekämpfungsmaßnahmen selbst dürfen nur von fachlich qualifiziertem Personal ausgeführt werden. Die Fachleute sind im Deutschen Holz- und Bautenschutzverband e.V. zusammengeschlossen. Die zulässigen Holzschutzmittel für den bekämpfenden Holzschutz werden durch die Gütegemeinschaft Holzschutzmittel e.V. überprüft und im Verzeichnis der Holzschutzprodukte mit RAL-Gütezeichen aufgelistet. Wurde eine Behandlung durchgeführt, dann muss eine Bescheinigung erstellt und ausgehändigt werden. Holzschutzmaßnahmen im Dachbereich sind durch eine Dachkarte vor Ort möglichst gut sichtbar zu kennzeichnen. 

Holzschutzmittel für nichttragende Bauteile und mobile Holzgegenstände

Verbretterungen, Zäune oder auch Möbel führen nicht direkt zum Schädlingsbefall am Bauwerk und gefährden somit auch die Konstruktion nicht. Als Holzschutzmittel können die im Baumarkt oder im Fachhandel erhältlichen Produkte wirkungsvoll eingesetzt werden. Für den Holzschutz im Außenbereich empfiehlt sich der Anstrich mit einer Holzschutzgrundierung mit RAL-Gütezeichen und UBA-Registriernummer für Bläueschutzmittel. Anschließend erfolgt ein Anstrich mit einer schadstoffarmen Farbe oder Lasur.

Alternativ können farbige Holzschutzanstriche verwendet werden. Für die Nachpflege wird das Holz angeschliffen und die Erstbehandlung wiederholt. Für Holzkonstruktionen im Innenbereich sind Holzschutzmittel nicht zulässig. Hier dürfen schadstoffarme Anstrichmittel eingesetzt werden, um Oberflächen zu schützen und zu gestalten. Möglich ist die Behandlung mit Lacken und Lasuren, Ölen und Wachsen oder Versiegelungslacken.